Unsere Kirche

Die einzige dreiteilige Feldsteinkirche in der Prignitz
Die einzige dreiteilige Feldsteinkirche in der Prignitz

Nach der Rückeroberung der Prignitz durch die Christen wurde das Evangelium gepredigt und man begann Kirchen aus Feldsteinen zu bauen, die es in der Prignitz reichlich gab. Die Kirche in Kehrberg wurde etwa 1260 errichtet, es ist ein Feldsteinbau mit Schiff, eingezogenem Chor und breitem Turm, moderne Backsteinfenster, barockem Kanzelaltar, Patronatsstuhl in Spätrenaissance von 1662 und Stuhlwangen von 1565. Der Patronattsstuhl trägt folgende Inschrift:

 

"Indem ich nicht auff hor Herr Gott dich hoch loben. Feiert auch der Satan nicht gantz grausamtlich zu toben Durch Neider ohne Zahl doch der du mächtig bist Du sturtzest meine Feind und hillfst zu aller Frist."

 

Was mag wohl dem damaligen Besitzer von Kehrberg, einem Herrn von Winterfeld, zu diesem Stoßseufser bewogen haben? Hinter dem Altar befand sich eine schwarze Gedächnistafel mit goldener Schrift, die sich auf den Kauf des Gutes durch die Familie von Winterfeld und auf die Erneuerung der Kirche im Jahre 1697 bezieht. Diese Tafel galt lange als verschollen, wurde aber bei Aufräumarbeiten in der Kirche durch die Familie Wilhelm wiederentdeckt. Die Schriftzüge waren mit Farbtupfern bespritzt, möglich, daß bei früheren Renovierungsarbeiten nicht ausreichend Schutz für die Tafel erfolgte. Inzwischen konnte sie aber wieder im Eingangsbereich unserer Kirche angebracht werden. Neben dem Hochaltar an der Ostwand befindet sich ein eingelassener Grabstein einer Frau von Alvensleben mit bemalten steinartigen Türen, auf denen in roher Ölmalerei die Auferstehung Christi dargestellt ist. Die Inschrift des Grabsteines lautet:

 

All hier ruht die in Gott die hoch Edelgeborene und Tugendreiche Frau Maria Dorothea von Alvensleben. Des Hoch Edl. Gestrengen und Manvesten Herrn H. Obr. Wachtm. Ludw. v. Görne, auff  Kützkow Erbherrn Nachgelaßene Fraw wisset welche gebohren Ao. 1631. dem 4Decemb. und in Gottseelig gestorben Ao.1697 den 13 Febr. Ihres Alters 65 Jahr 1 Monat 4 Wochen u. 2 tage. Zur Erinnerung ihrer und aller Menschensterblichkeit hat sie diesen Stein noch bei ihrem Leben herfertigen und hierher legen lassen Anno 1683

 

Wer war Maria Dorothea von Alvensleben?

 

"Maria Dorothea von Alvensleben war die Schwester von Siegfried Andreas v. Alvensleben, damit die richtige Tante von Hedwig Elisabeth v. Winterfeld, geb. v.A. Sie heiratete 1663 Ludwig v. Görne auf Kützkow (bei Brandenburg) und wurde 1672 Witwe, ohne Kinder gehabt zu haben. Vermutlich fiel der Besitz ihres Mannes an andere Verwandte, sodaß sie Kützkow verlassen hat.

Zu Winterfelds bestanden verwandschaftliche Beziehungen: Ihre Nichte Hedwig Elisabeth (*1670) und deren Mann Joachim Detlof v. Winterfeld waren Kousine und Vetter 2. Grades. Möglich, daß Maria Dorothea nachdem sie Kützkow verlassen hatte, zu ihren Verwandten nach Kehrberg gezogen ist. Sie hatte selbst keine Kinder."

nach Prof. Dr. Reimar v. Alvensleben

 

 

 

Die Pastoren zu Lindenberg

um     1636                  Joachim Velehu (Velekow)

bis      1645                  Benediktus Scharstädt

1645 - 1698                  Joachim Sietemann (geboren zu Kyritz 1622 und kam zu Pfingsten                                            1645 hier ins Amt,heiratete Maria Kluth, Tochter des Pastors von                                                 Dannenwalde, hatte 6 Kinder, jüngster Sohn, geb. 1660 war Pastor in                                       Suckow 

1698 -  1712                  Johann Sigismund Dierberg

1712 -  1734                  Christian Mittelstädt                                              gest. in Lindenberg

1734 -  1770                  Johann Albrecht König                                          gest. in Lindenberg

1770 -  1797                  Joachim Heinrich König 1.( Sohn des Albrecht)    gest. in Lindenberg

 

1797 -  1831                  Joachim Heinrich König 2. Sohn des 1.

1831 -  1835                  Joachim Wilhelm Ferdinand Schindler

1835 -  1839                  Georg Christian Friedrich Protz                             gest. in Lindenberg

1840 -  1856                   Wilhelm Gottlieb Woltersdorf                                gest. in Lindenberg

1857 -  1889                   Otto Wilhelm Lang

         -  1905                   Heirich von Lattorf

1906 -  1929                   Georg Eduard Langhoff                                         geb. in Kehrberg

1930                                Rahdke

1931 -  1932                    Schubert

1933 -  1959                    August Eduard Wilhelm Mascher                          geb. in Koblenz

1959 -  1961                    Opitz

1961 -  1994                    Heinz Günter Nitschke                                          geb. in Berlin

1996                                 Gerhard Altendorf

 

Chor und Schiff der Kehrberger Kirche mit barockem Hochaltar
Chor und Schiff der Kehrberger Kirche mit barockem Hochaltar

Die Rettung der Kehrberger Kirchenglocke

Pfarrer Mascher
Pfarrer Mascher

Wenn an Sonn- und Feiertagen die Kehrberger Kirchenglocke ertönt, dann gebührt einer Familie ein ganz besonderer Dank. Es ist die Familie Mascher, die sich 1940 dafür einsetzte, daß die Kehrberger Glocke nicht  Kriegszwecken zum Opfer fiel. Auf der Empore der Kirche befindet sich eine Dauerausstellung zu diesem Thema. Pfarrer August Eduard Mascher und seine Frau beugten sich nicht der Anordnung zur Generalerfassung der Kirchenglocken. Daraufhin erschien die Gestapo im Pfarrhaus und nahmen den Pfarrer mit. Das große Verdienst Martha Maschers war es dann, daß sie sich im Juni 1940 mit einem Schreiben an das katholische Dompfarramt in Erfurt wandte und ihrem Brief das Pergament mit der abgepausten Glockeninschrift beifügte. Das Antwortschreiben aus Erfurt löste im Pfarrhaus Freude aus. Der damalige Probst teilte mit, er werde gegenüber den zuständigen Behörden bestätigen, daß die Kirchenglocke von Kehrberg auf Grund ihrer Inschrift in germanischer Runenschrift einen außerordentlichen hohen Altertumswert besitzt. Damit hatte Pfarrer August Mascher einen Trumpf in der Hand und die Gestapo mußte ihn wieder auf freien Fuß setzen, sie wurde in die Kategorie D eingestuft und damit zur ;besonderen Verfügung; zurückgestellt. Die Runenzeichen der Kehrberger Glocke sind von der gleichen Art wie die der berühmten "Gloriosa" im Erfurter Dom. Somit ist es möglich, daß derselbe Glockengießer, nämlich Gerhard de Wou aus Kempen, der im Jahre 1497 auf dem Erfurter Domberg den Guß der größten freischwingenden Glocke vollendete, beim Umherziehen durch die Lande  womöglich auch vor der Kirche in Kehrberg sein Feuerlager aufgeschlagen hat, um hier eine " kleine Schwester" der einzigartigen "Gloriosa" wie im Erfurter Dom zu formen. Den Mut den die ganze Familie Mascher in ihrer eigenen Bedrohung erbrachte, gebührt noch heute ein ganz besonderer Dank. Mit der Glockenchronik wollen wir diesen tapferen Einsatz nicht in Vergessenheit geraten lassen.

 

Die Geschichte der Kirche ist eng verbunden mit den ehemaligen Gutsherren. Eine Gedächtnistafel (s. Bild 1) hinter dem Altar erinnert an den  Kauf des Gutes durch die Familie von Winterfeld und die von ihr veranlasste Erneuerung der Kirche im Jahr 1697. Eine Nachbildung des Kehrberger Wappens (s. Bild 4), als Fahne, wurde anlässlich zur 685 Jahrfeier des Dorfes am 18.06.2011 von der Kehrberger Theatergruppe "Wunderknabe zu Kehrberg " beim Dorfumzug getragen.

 

 

 

 

 

Erste urkundliche Erwähnung

des Ortes Kehrberg

am 07.Juni 1318

Pfarrer Gerhard Altendorf,

ein Pfarrer, der uns in guten und schweren Stunden trostreich zur Seite stand und den Förderverein mit Rat und Tat unterstützte.(2009)

Ausstellung über den sogenannten Kehrberger Wunderknaben

Johann Ludwig Hohenstein, des historisch belegtem jüngsten Prignitzer Wunderheilers.